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Portugal dança - Teil 1


Gewitter, Blitz, Donner, Gewitter – dazwischen schieben sich immer wieder ein paar Sonnenstrahlen durch die grüne Rankenwand vor mir. Friedvolle Seniorenstimmen vermischen sich mit dem Bläterrauschen. Ich sitze in Unnas einzigem urigen Café, genauer – in dessen Blumengarten. Fast könnte man denken, es sei ein Sommertag – bis das Donnergrollen völlig unerwartet die friedliche Stimmung durchbricht. Glücklicherweise sitze ich unter einem kleinen Pavillon, gerade genug um mich vor den Regenschauern zu verstecken.


Höchste Zeit mal wieder zurückzublicken. Es gibt viel zu berichten. Angefangen bei der Tour Alsace Ende Juli, über eine entspannte Woche in Unna, bis zur Volta a Portugal Mitte August – mein sportlicher und emotionaler Höhepunkt dieses Jahres. Ab in die Retrospektive!



Wie Gott in Frankreich


Bei meinem letzten Update saß ich irgendwo mitten in den französischen Alpen. Ebenfalls in einem Café, und ebenfalls erleichtert mal zur Ruhe zu kommen. In diese Entspannung mischten sich allerdings Anspannung, Nervosität und sehr viel Respekt vor den folgenden Wochen. Exakt fünf Wochen später kann ich bestätigen: Das alles hatte seine Berechtigung. Aber der Reihe nach

Ende Juli ging es zunächst ins Elsass nach Frankreich. Sportlich lief es für das Team ganz in Ordnung. Die fünftägige Rundfahrt begann mit einem starken Teamzeitfahren. Hier überraschten wir uns, glaube ich, ein wenig selbst. Und auch die nächsten Tage lieferten wir eine geschlossen gute Teamleistung ab. Sportlicher Höhepunkt war Colins vierter Platz an der prominenten Planche des Belles Filles. Ich persönlich war ein wenig überrascht, wie gut sich die Beine nach dem Höhentrainingslager anfühlten. Zumindest einen Tag ergab sich dann für mich die Chance auf ein sehr gutes Ergebnis. Tief im Finale stürzte ich allerdings. Im Eifer des Gefechts zog ein Fahrer 800 Meter vor dem Ziel links rüber, sprang auf den Bürgersteig, grätschte mein Vorderrad weg. Für zwei Minuten Sprintass gespielt – straight zurück zum Sturzpiloten.

Das Rennen selbst war Krieg. Attacke um Attacke. So richtig Ruhe kehrte selten ein, was alles zur Lotterie machte. Genau diese Art von Rennen ist allerdings auch irgendwie geil – unvorhersehbar.

Tiefpunkt dieser paar Tage war die letzte Etappe. Unser halbes Team stürzte, verschuldet durch einen Betreuer eines anderen Teams. Ich will an dieser Stelle nicht näher drauf eingehen, aber ich glaube jeder – egal ob Fahrer, Helfer, Sportlicher Leiter, Physio, whatever – muss sich in jeder Sekunde bewusst machen, wie wichtig die Sicherheit der Fahrer ist. Auch wenn ich eine Flasche in der Verpflegung mitten ins Fahrerfeld halte – in manchen Situationen vergessen viele, worum es letztendlich geht.

Glücklicherweise hat sich niemand ernsthaft verletzt. Vor der anschließend geplanten Portugal-Rundfahrt stand allerdings ein Fragezeichen.



Homecoming und Overthinking


Finally – nach fünf Wochen on Tour kam ich Ende Juli mal wieder nach Hause. ich muss ehrlich zugeben, ich habe meine Heimatliebe in der Zeit so richtig zu spüren bekommen. Natürlich habe ich die meisten Momente genossen, vor allem in Tignes in den Alpen. Und doch durchschleichen mich immer wieder Bilder von zuhause – Familie, eine Sehnsucht nach Vertrautem. Ich glaube wenn das Gehirn das ganze Jahr nur entdeckt, Neues erblickt, improvisiert, dann sehnt es sich langsam, aber sicher und immer stärker, nach dem Gegenteil. Zumindest zeitweise.

Nun lag also eine Woche zwischen Alsace und Portugal. Und ich wollte jede Sekunde nutzen, meinen "Zuhause-Akku" wieder aufzufüllen. Töpfern mit meinen Schwestern und meiner Mutter, Quality-Me-Time in Münster, Gespräche mit Freunden, Spazieren in Unna, Radfahren ins Sauerland, Johannisbeeren vertilgen.

Momentan mache ich mir viele Gedanken über mein Dasein. Radsport und – ? Ich sehne mich danach im Journalismus Fuß zu fassen, regelmäßig zu schreiben, Struktur in meine Ideen und Vorstellungen zu bekommen. Ich will das Potenzial ausschöpfen, es mir selbst beweisen. Ich will mir zeigen, dass es neben dem Radsport noch etwas anderes gibt, was mich vollständig erfüllt – dass es sich für dieses Etwas lohnt, morgens aufzustehen und Energie zu investieren. Ich weiß, dass es geht. Es fühlt sich an, als hätte ich 99 Gründe damit anzufangen, aber der eine Grund fehlt – und das ist das Radfahren.

Ich weiß nicht, ob man dem Ganzen folgen kann. Wenn ich es selbst könnte, würde mich das nicht bewegen. Ich möchte damit sagen, so ganz zuhause ankommen, durchatmen, Glück finden, entspannen – kann ich nicht. Ich nehme diese innere Unruhe war, und es ist, als könnte ich stets nur probieren für ein paar Augenblicke zu entkommen.

Umso besser, dass es ziemlich schnell weiterging – Portugal was calling.



Westlichste Sauna Europas


Es war ein Dienstagmorgen. Ziemlich früh stieg ich in die Mühle und fuhr nach Rankweil. Sieben Stunden Auto-Odyssee. Ankommen, spazieren gehen, Abendessen.

Am Mittwoch ging es bereits um 6 Uhr los. Zu viert fuhren wir zwei Stunden nach Zürich zum Flughafen. Abflug: 11 Uhr. Ich war nicht besonders müde, was wahrscheinlich an der Aufregung vorm Rennen lag. Da war eher eine Spannung, was Portugal so bereithielt. Gegen 13.30 Uhr – Touchdown Porto. Mein erster Eindruck, als ich aus dem Flieger stieg: Alle Menschen sind so braun und gesund. Klingt unfassbar kitschig, aber irgendwie wahr. Im direkten Vergleich zu Zürich wirkten die Gesichter der Menschen entspannter, freundlicher, ausgeglichener.

However, draußen waren es angenehme 27 Grad, blauer Himmel, leichtes Lüftchen. Überraschend mild. Straight ging es in den Bus, Mittagessen, Power-Nap, Spotify on repeat.

Gegen Nachmittag kamen wir am Hotel in Viseu an. Und als ich dort aus dem Bus stieg, erschlug mich die Hitze. Ohnehin würde ich mich als kälteliebenden Menschen beschreiben, aber das war nicht mehr normal. Sauna leichteste Stufe. 40 Grad in die Fresse.

Etwas verzweifelt, aber – hilft ja alles nüscht. Auf dem Rad wurde es allerdings auch nicht besser: Ich dachte der Fahrtwind kühlt, aber bergab wurde es nur heißer.

Trotz allem muss ich sagen, fühlte ich mich fit, sowohl vom Kopf, als auch körperlich. Mit bester Hoffnung ging es also in die Nacht vor der Rundfahrt.



Fortsetzung folgt


Galante Grätsche an dieser Stelle – das Café schließt um halb Sechs. Aus den Schauern ist unnachgiebiges Regenpeitschen geworden. Umso gemütlicher sitzt es sich am gefühlt trockensten Ort der Welt – unter dem Pavillon.

Übermorgen ist Ruhetag: Fahrt zum See, Sonnenspeicher füllen, und – Blog-Romantik. Dann werde ich die Rundfahrt weiter Revue passieren lassen, und hier und da in Sinnesreizen neben der Strecke schweifen.



Warum nicht mal nen Cliffhanger einschieben?


Macht's gut, euer Jon!


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